Kinderschutz als wichtigstes Ziel

Interview mit SLW Vorstandsvorsitzen Johannes Erbertseder über die Arbeit der Kinder- und Jugendhilfestiftung

Altötting. „Jede Investition in die Kinder und Jugendlichen ist eine Investition in die Zukunft“ sagt Johannes Erbertseder, Vorstandsvorsitzender des SLW Altötting, der einen Blick in die Arbeit der Kinder- und Jugendhilfestiftung gewährt.

Herr Erbertseder, wofür steht die Stiftung SLW Altötting?
Erbertseder: Wir bieten Kinderbetreuung, Schulen und Jugendhilfe in unterschiedlichen Formen an. Die Angebote richten sich an alle Kinder und Jugendlichen, vor allem aber an diejenigen, die einen sozial-emotionalen Förderbedarf haben. Die Stiftung betreibt acht Einrichtungen, bayernweit werden rund 3.150 junge Menschen betreut und gefördert.

Was bedeutet sozial-emotionaler Förderbedarf?
Erbertseder: Es handelt sich um Kinder, die es schwerer haben, ins Leben zu starten. Oft haben sie Verhaltensauffälligkeiten, tun sich schwer im sozialen Miteinander. Es gibt ein Muster: Die Kinder haben es in ihren Familien nicht gelernt, wie Beziehungen funktionieren. Oft spielen seelische Verletzungen oder die Erfahrung, nicht angenommen zu werden, eine große Rolle. Wir versuchen, ihnen mit Förderangeboten Perspektiven für ihr Leben zu eröffnen.

Wie finanziert sich die Stiftung?
Erbertseder: Pädagogische Arbeit ist sehr personalintensiv und die Qualität hängt von der Beziehung zwischen jungen Menschen und pädagogischen Fachkräften ab. Diese Kosten kann man nicht über Spenden finanzieren. Der Großteil, etwa 95 Prozent, wird durch die öffentliche Hand gedeckt, da wir z.B. bei der Kinderbetreuung im Auftrag des Staates und der Kommunen tätig werden. Leider ist es nicht so, dass alle Kosten getragen werden. Wir bekommen  auch keine Kirchensteuer-Gelder.

Können Sie uns das erörtern?
Erbertseder: Die Gesamtleistung liegt im Jahr 2023 bei ca. 50 Mio. Euro für alle acht Einrichtungen mit über 1.100 Mitarbeitenden. Davon gehen in den KiTa-Bereich etwa 16 Mio. Euro, in die Jugendhilfe 27 Mio. Euro und in die schulische Betreuung 7 Mio. Euro. Große Investitionen, z.B. große Baumaßnahmen, sind ohne finanzielle Kooperationen mit der öffentlichen Hand oder einer Förderung von z.B. Sternstunden e.V. nicht denkbar.

„Es bleibt eine Finanzierungslücke von fünf Prozent“

Warum sind Spenden so wichtig?
Erbertseder: Es bleibt eine Finanzierungslücke von etwa 5 Prozent. Hierbei handelt es sich z.B. um den Eigenanteil bei Baumaßnahmen oder Investitionskosten, die Ausstattung der Zimmer in Wohngruppen oder Spielgeräte. Vor allem geht es um zusätzliche pädagogische Angebote, die die eigentliche Qualität der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen ausmachen – wie Ausflüge, Ferienfreizeiten oder gemeinsame Feiern.

Was versteht man unter Jugendhilfe?
Erbertseder: Jugendhilfe ist relativ umfassend und geht im KiTa-Bereich los – bis hin zu Hilfen zur Erziehung in Tages- oder Heimgruppen und/oder ambulanten Diensten. Je höher der Förderbedarf des Kindes ist, desto personal- und damit auch kostenintensiver wird die Betreuung. Bevor ein Kind in einer Einrichtung aufgenommen wird, gibt es einen langwierigen Klärungsprozess. Erster Ansprechpartner ist das zuständige Jugendamt. Es fungiert als Anwalt der Kinder und versucht, die bestmögliche Betreuung zu erreichen. Auch die medizinische Versorgung durch sozialpädiatrische Zentren oder die Zusammenarbeit mit Kinder- und Jugendpsychiatrien sowie die pädagogische Erst-Einschätzung der Schulen gehören hier dazu. Im Bereich Jugendhilfe arbeiten wir, je nach Ausprägung des Förderbedarfes, auch mit den einzelnen Bezirken und Regierungen zusammen. Wichtigste Bausteine sind immer das Kindeswohl und der Kinderschutz. Das ist Ziel unserer Arbeit und fest in unserem Qualitätsmanagement verankert.

Wie sieht die Arbeit in Wohngruppen aus?
Erbertseder: Es geht darum, den Alltag der Kinder und Jugendlichen zu strukturieren, gemeinsam Mahlzeiten Miteinander für Kinder einzunehmen, in der Freizeit etwas zu unternehmen. Kleine Momente der Zuwendung gehören genauso dazu wie den jungen Menschen zu vermitteln, dass sie wichtig sind. Nur so kann eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut werden. Je nach Förderintensität steigt der Bedarf an pädagogischen Fachkräften pro Wohngruppe, das heißt, je mehr Betreuung notwendig ist, desto mehr Mitarbeitende kümmern sich um eine kleinere Gruppe von Kindern. Grundsätzlich findet die Betreuung an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr statt.

Der Förderbedarf vieler Kinder steigt. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
Erbertseder: In den letzten 25 Jahren haben sich die Betreuungsformen bereits in den KiTas massiv verändert, immer mehr Kinder brauchen eine intensivere Betreuung. Zudem hat sich auch der Bedarf in der Jugendhilfe verändert: die SLW-Einrichtungen haben sich von Internaten zu sozial- bzw. heilpädagogischen oder therapeutischen Wohngruppen entwickelt. Hier wurden in den letzten 25 Jahren die Gruppen verkleinert und die Förderintensivität der Kinder und Jugendlichen nahm rapide zu.

Woran liegt das?
Erbertseder: Es gibt mehrere Faktoren, die zusammenspielen: überforderte Eltern, psychische Probleme, veränderte Familiensysteme, aber auch gesellschaftliche Anforderungen wie Leistungsdruck, finanzielle Probleme oder Arbeitslosigkeit, Sucht und Kriminalität. Je mehr zusammenkommt, umso höher wird meist auch der Förderbedarf. Die Zahlen steigen, das ist besorgniserregend.
Erfreulich ist aber folgende Tatsache: Je früher man den Kindern Hilfen gewährt, desto besser sind die Aussichten für den Start in ein gelingendes Leben. Gesamtgesellschaftlich bedeutet dies: je früher man in Hilfe investiert, desto größer ist der Nutzen für die Gesellschaft, weil Folgekosten verhindert werden. Jede Investition in die Kinder und Jugendlichen ist eine Investition in die Zukunft! Man sollte Kinder nicht als Kostenfaktor, sondern als Chance sehen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!
Monika Pingitzer

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