Gemeinsamkeiten der Religionen

Leben im SLW: Zu Besuch im integrativen Kinderhaus Kloster Moosen des Josefsheim Wartenberg

Dorfen. Christen, Muslime, Buddhisten – im integrativen Kinderhaus Kloster Moosen ist interkulturelle und interreligiöse Erziehung nicht nur selbstverständlich, sondern fällt auf fruchtbaren Boden. Denn für die jüngste Generation existieren keine kulturellen Dogmen oder Sprachbarrieren. Diese Unvoreingenommenheit der Kinder zwanglos zu fördern und auf ihren kulturellen Gemeinsamkeiten aufzubauen ist die Ambition und die Herzensangelegenheit der Erzieher.

Zeyd sucht sich den Holzengel aus, der für den Jahreskreis der Religionen bestimmt ist.

Ganz vorsichtig legt Aurelia die kleine Jesusfigur in die Miniatur-Holzkrippe, die auf dem Boden ausgelegten Jahreskreis zwischen gemalten Schneeflocken und einem Holzengel Platz gefunden hat. Diesen Engel hat Zeyd zuvor schon richtig auf das blaue, für den Winter bestimmte Viertel gelegt. „Eine offene und wertschätzende Haltung gegenüber anderen Religionen und Kulturen zu haben, ist uns in der täglichen Arbeit wichtig. Deshalb integrieren wir in den Alltag immer wieder pädagogische Angebote zu präsenten Themen, wie zum Beispiel den Jahreskreis mit christlichen Feiertagen
und Festen aus anderen Religionen“, erläutert Gruppenleiterin Lilli Neuwirt.

Kulturübergreifende Legenden

Im heutigen Morgenkreis der Kindergartengruppe wird in diesem Sinne zunächst über die Jahreszeiten gesprochen, die allen Menschen, egal welchen Glaubens, gemeinsam sind. Später wird spezieller auf Feiertage und Feste eingegangen, die im Jahresverlauf anstehen: „Ostern!“, „Nikolaus!“, „Weihnachten!“ sind die ersten, die von den Kindern genannt und deren Symbole in die Mitte der sitzenden Kinder platziert werden. Mit Figuren und Bilderkarten können sie Geschichte und Geschichten mit allen Sinnen erleben, besser verstehen und verinnerlichen. „Ich achte darauf, dass
nicht nur der religiöse Hintergrund einer Tradition vermittelt wird, sondern auch das Allgemeinwissen dazu. Warum und wie zum Beispiel ein Adventskranz gebastelt wird, was dieser bedeutet oder warum St. Martin besonders für Mitgefühl und Barmherzigkeit steht“, erklärt Neuwirt. Über das Erzählen von Geschichten könnten zudem sehr gut Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Kulturen gefunden werden. Als Beispiel nennt die Erzieherin St. Nikolaus, der der Legende nach in der Türkei geboren wurde. Die Figuren der beiden Heiligen werden jetzt vorsichtig, fast andächtig neben die anderen gestellt. Dabei erinnern sich die Kinder mit christlichem und muslimischem Hintergrund daran, wie schön es im vergangenen Jahr war, die Kerzen am Adventskranz anzuzünden. Neuwirt erzählt ihnen, dass der Advent eine Zeit zum Nachdenken und Beten ist.

Besinnung in unterschiedlichen Religionen

Eine ähnliche Zeit gibt es auch im muslimischen Glauben, berichtet Tugba Karakazik, die Mutter von Zeyd. Im integrativen Kinderhaus wird großer Wert darauf gelegt, Eltern mit einzubeziehen. Deshalb ist Karakazik heute im Morgenkreis dabei, um die Feiertage ihrer Heimat vorzustellen. „Unsere Zeit zur Besinnung ist der Ramadan“, erzählt sie den Kindern. Diese hören gespannt zu, wie während dieses Monats bei Zeyd daheim gebetet und gefastet wird. „Uns ist sehr wichtig, bei den Kindern keine Stereotypen und Vorurteile zu verstärken und die Unterschiede der Religionen zu betonen, sondern wir wollen im Gegenteil besonders die Gemeinsamkeiten hervorheben“, unterstreicht Lilli Neuwirt. Neugier steht den Kindern ins Gesicht geschrieben, und als Zeyd seiner Mutter hilft, einen Gebetsteppich auf den Boden zu legen, sind sie mit Feuer und Flamme dabei, darauf die typische Haltung nachzustellen.

Freunde trotz unterschiedlicher Sprache

Nicht nur die pädagogische Bereichsleiterin Daniela Buchner ist fest davon überzeugt, dass interkulturelle und interreligiöse Erziehung im Kindesalter auf sehr fruchtbaren Boden fällt: „Für Kinder sind die kulturellen Unterschiede nicht wichtig, auch Sprachbarrieren sind keine Hürde“, weiß Gruppenleiterin Neuwirt und hat ein passendes Beispiel parat: „Im vergangenen Jahr etwa kam Miray neu in die Gruppe, sprach damals noch kein Deutsch und wir Erwachsene machten uns deshalb Gedanken. Aber Miray hat sich sehr schnell mit Helena angefreundet, einem sehr sprachbegabten, deutschen Kind. Die beiden haben sich gleich gefunden und sofort zusammen gespielt, obwohl sie sich nicht durch ihre Sprache verständigen konnten. Für die beiden Mädchen war das trotzdem problemlos und beide hatten sehr viel Spaß.“ Nebenbei könnten die Kleinen so von den anderen lernen und unvoreingenommen in andere Kulturen hineinschnuppern, wie zum Beispiel beim gemeinsamen Zählen in unterschiedlichen Muttersprachen. Der Jahreskreis inmitten der Kindergartengruppe hat sich mittlerweile geschlossen, die darauf positionierten Figuren sind aufgeräumt. Bevor die Mädchen und Jungen nun in die Turnhalle zum Toben gehen, wandern die Blicke beim Warten in der Reihe noch mal auf den Kirchenjahrkalender im Gang. Worauf sie sich jetzt im Spätherbst am meisten freuen? „Auf den Advent“, antworten sie, „denn da wird gemeinsam Plätzchen gebacken …“.        Andrea Obele

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