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Das Seraphische Liebeswerk Altötting (SLW) ist ein karitatives Werk mit den Schwerpunkten Erziehung, Bildung und Pflege. Gegründet wurde es im Jahr 1889 durch den bayerischen Kapuziner Pater Cyprian Fröhlich (1853-1931) zur Unterstützung hilfsbedürftiger und verwaister Kinder. [mehr…]

 

Link: Aus dem Leben des Gründers P. Cyprian Fröhlich
Link: Zeittafel zur Geschichte des SLW
Link: P. Cyprian schreibt: 25 Jahre Seraphisches Liebeswerk 1918
Link: Der Gründer und sein Werk – Bibliographisches zu P. Cyprian
Link: Archivprojekt des SLW in Kooperation mit der Universität Regensburg



Aus dem Leben des Gründers P. Cyprian Fröhlich
von Präses P. Heinrich Grumann

Mit dem Namen Cyprian Fröhlich ist das Seraphische Liebeswerk untrennbar verbunden. Für einen Kapuziner war die Gründung eines solch umfassenden Sozialwerks schon ungewöhnlich.

Ungewöhnlich ist auch seine Berufung zum Kapuziner und die Berufung zu seinem Werk. Sein Werk ist ja zu einem guten Teil nur zu verstehen aus seiner eigenen Kindheit und
Jugend. Am 20. März 1853 wurde er in Eggolsheim bei Forchheim geboren und auf den Namen Franz Xaver getauft. Sein Vater war dort zweiter Lehrer. Der Vater war ein pflichtbewusster Lehrer, doch von äußerster Strenge gegen seine eigenen Kinder. Unter dieser Strenge und Härte, ja fast Gefühllosigkeit, litt auch die persönliche Beziehung zwischen Vater und Sohn. Am Lehrerberuf mit seinen ärmlichen Einkünften hatte der Vater wenig Freude. Viel lieber hätte er sich der Musik verschrieben, die er über alles liebte. Einmal nahm er seinem Sohn — eben dem späteren P. Cyprian — das Versprechen ab: “Alles darfst du werden, nur kein Lehrer und kein Pfarrer!”

Pater CyprianFranz war das älteste Kind. Er bekam noch einen jüngeren Bruder, Georg mit Namen. 1856 zog die Familie nach Herzogenaurach, in die Heimat der Eltern. Doch ein Jahr nach dem Umzug starb die Mutter, Franz war vier Jahre alt.
Erst 1864, nach sieben Jahren Ehelosigkeit, heiratete der Vater wieder. Doch die neue Mutter starb auch nach zwei Jahren. Der schwergeprüfte Mann ging eine dritte Ehe ein. Aus dieser Ehe stammten mehrere Kinder, von denen aber nur eines am Leben blieb. So brachten die Kinderjahre eine bittere Erfahrung für ihn. Später bekannte P. Cyprian: “Ich danke Gott alle Tage für meine liebeleere und freudlose Kindheit, weil sie Gott benützt hat, um vielen Tausenden von Kindern Freude, Trost und Hilfe zu schaffen.”
Bei einer Großmutter und später bei einer Tante fand er Verständnis und nahm dort Zuflucht. Inzwischen war Franz 12 Jahre alt geworden. Er zeigte hervorragende Geistesgaben und war gut talentiert.

Er kam nach Erlangen in die Lateinschule. Oft genug knurrte ihm der Magen vor Hunger. Das Abitur machte er in Bamberg, wo er die Studien fortgesetzt hatte. Die Berufsentscheidung kam auf ihn zu. Eigentlich wollte er Priester werden. Davon wollte aber der Vater nichts wissen. So wandte er sich dem Studium der Technik zu, die ihn immer schon interessiert hatte. Er bezog die Technische Hochschule in München.

Ein schwerer Schlag war der überraschende Tod seines Vaters an Weihnachten 1872. Franz war 19 Jahre alt. Dieses Erlebnis rüttelte ihn innerlich tief auf und berührte auch seine Berufsentscheidung. Der Ruf nach dem Priestertum wurde in ihm wieder lauter. Der Vater, auf den er Rücksicht genommen hatte, war ja nun tot. So wechselte er von der Technischen Fakultät in die Theologische Fakultät in München und ging ins Priesterseminar. Am 26. Juli 1877 wurde er in München durch Erzbischof Gregor von Scherr zum Priester geweiht und feierte am 5. August 1877 in Herzogenaurach seine Primiz. Er kam aus dem Bistum Bamberg, hatte aber sein Theologiestudium in München absolviert und wurde in München geweiht. In welcher Diözese würde er zum Einsatz kommen?
Sein Einsatz sollte bei den Kapuzinern sein. So war es für Außenstehende überraschend, als er sechs Wochen nach der Priesterweihe bei den Kapuzinern eintrat. Warum ausgerechnet bei den Kapuzinern? Als Student war er den “braunen Brüdern” erstmals in Würzburg begegnet. Er erzählt selbst, wie er an einem Jubiläumsfest einer Katholischen Studentenverbindung in Würzburg teilnahm. Er genoss den Zauber der studentischen Veranstaltung und der Stadt. “Wenn mir damals einer prophezeit hätte: Du wirst Priester, Ordensmann, Kapuziner, dem hätte ich ins Gesicht gelacht und ihn reif fürs Irrenhaus erklärt.” Der frohe Student sah hoch über Würzburgs Mauern das Käppele, das Wallfahrtskloster der Kapuziner, der “Geistlichen mit Bart.“ Das reizte seine Neugierde. Er stieg empor zum Käppele und besuchte die Kirche. Dann läutete er auch an der Pforte und wurde freundlich empfangen. Von da an kamen ihm die bärtigen Kapuziner nicht mehr aus dem Sinn. Sie verfolgten ihn bis in sein weiteres Studium in München. Eine innere Stimme drängte ihn zur Entscheidung in den Kapuzinerorden.

Wir dürfen annehmen, dass ihm der hl. Bruder Konrad die Klosterpforte geöffnet hat und ihm erstmals begegnete. Der Provinzial P. Franz Xaver Kappelmayr schickte ihn zuerst ins nahe Burghausen an der Salzach. Im dortigen Kloster war das Noviziat, wo die Ordensneulinge sich selbst prüfen sollten und geprüft wurden, ob sie für den Orden geeignet seien.
Die erste Nacht im Kapuzinerkloster verbrachte er in der Gastzelle, in der kurze Zeit zuvor (am 13. Juli) der große Sozial-Bischof von Mainz Emmanuel Freiherr von Ketteler nach längerer Krankheit gestorben war. Wir dürfen es heute ruhig aussprechen, dass P. Cyprian — wie er im Orden von da ab hieß — Erbe des sozialen Geistes dieses großen Bischofs wurde. Am Franziskusfest 1881 band er sich durch die feierliche Profess endgültig an den Kapuzinerorden. Er wurde vor allem als Volksmissionar eingesetzt. So wirkte der junge Volksmissionar auch mit bei der Volksmission in Mainz und hielt dort —wieder in den Fußspuren von Bischof Ketteler— seine erste Predigt über die “soziale Frage.”
Der persönliche Erfolg dieser Mission war wohl schuld, dass er sich sofort meldete, als im Jahre 1887 an die Bayerische Kapuzinerprovinz der Ruf erging, einige Patres in die Rheinisch-westfälische Provinz zu entsenden, die im Kulturkampf starke personelle Verluste erlitten hatte. So kam P. Cyprian als “Leihgabe” nach Koblenz-Ehrenbreitstein an den Rhein, an den Sitz des Provinzialates der Rheinisch-westfälischen Kapuziner. Er bekam die Aufgabe eines Drittordens-Direktors und hielt nach wie vor viele Volksmissionen ab. Bis 1893 blieb er in Koblenz-Ehrenbreitstein. Dort kam es 1889 auch zur Gründung des Seraphischen Liebeswerkes. So ist das Seraphische Liebeswerk zwar von einem Bayerischen Kapuziner gegründet, aber die Gründung> erfolgte außerhalb Bayerns. Ein Zeitungsausschnitt und ein Brief haben vor 112 Jahren den unmittelbaren Anstoß gegeben zur Gründung des Seraphischen Liebeswerkes. 1887 stand in der "Kölnischen Volkszeitung" eine Notiz über die Arbeit des Vereins der Kinderfreunde in Tirol, der damals vier Jahre bestand und in drei Anstalten an die 400 Kinder betreute. Was ein Benediktiner in Tirol fertig gebracht hat, meinte P. Cyprian, müsste doch auch ein Kapuziner in Deutschland fertig bringen. Die Notiz wurde säuberlich ausgeschnitten und ins Brevier gelegt. Wiederholt sollte sie in den Papierkorb wandern; eine innere Stimme sagte ihm: Lass sie liegen, wer weiß, wofür sie gut ist.

Dies war das erste Samenkorn. Das zweite war ein Artikel über den italienischen Jugendapostel Don Bosco, der bei seinem Tode im Jahre 1888 an die 150 Anstalten für Kinder und Jugendliche hinterlassen hatte. Das dritte Samenkorn war ein Bericht über den "Apostel der Caritas" aus dem Kapuzinerorden, den Schweizer P. Theodosius Plorentini (+1865), der ungemein viel für Jugendfürsorge, Kranken- und Armenpflege getan hat.
P. Cyprian war Direktor des Dritten Franziskanischen Ordens in Ehrenbreitstein. Ende 1888 legte er seinen beiden Vorständen, Herrn Kleckner und Fräulein Babette Hartmann, die Frage vor: "Wie kann sich der Dritte Orden an der Lösung der so brennenden sozialen Frage beteiligen?" Es wurde eingehend darüber gesprochen; über die äußere Verwirklichung war man sich indes noch keineswegs klar. Da kommt am 6. Januar 1889 die Vorsteherin Frl. Hartmann zu P. Cyprian. An der Hand führt sie ein Mädchen, das ganz auf sich allein gelassen war: "P. Direktor, der göttliche Kinderfreund hat uns den Weg gezeigt zum sozialen Ziel des Dritten Ordens. Retten wir dieses Kind!" So geschah es. Das Mädchen wird auf Kosten der Drittordensgemeinde in ein Waisenhaus nach Dernbach gebracht. Babette Hartmann schrieb 1889, nachdem am 6. Januar der erste Stein gelegt war, an den Direktor der "Knabenrettungsanstalt" in Marienhausen bei Aßmannshausen einen Brief, der nach Meinung von P. Cyprian die Gründungsurkunde des Seraphischen Liebeswerkes ist. Direktor Müller, ein großer, erfahrener Kinderfreund, war zugleich Schriftleiter des Franziskusblatt. In der Nr. 9 vom Jahrgang 1889 wurde der Brief von Frl. Hartmann ohne deren Wissen und Willen unter dem Titel: "Ein echt seraphisches Werk der Barmherzigkeit" abgedruckt. Später forderte Müller seinen Tertiaren-Leserkreis auf, die Ordensgemeinde Ehrenbreitstein zur Weiterführung ihres karitativen Unternehmens mit Almosen zu unterstützen. Aufforderung und Brief im "Franziskusblatt" hatten einen ungeahnten Erfolg. Von allen Seiten, aus deutschen und außerdeutschen Provinzen, aus Frankreich und Russland, kamen Almosen ins Kapuzinerkloster nach Ehrenbreitstein. So zahlreich, dass es nach außen auffiel. "Die Kapuziner bekommen aber viel Geld ", hieß es und der Superior, P. Ludwig, wurde fast unruhig. P. Cyprian gab seinem Superior recht und - dachte sich: Gott sei Dank; das wird etwas!
Und es ist etwas geworden. Aus den Zeitungsausschnitten im Brevier und aus jenem Brief entspross ein mächtiges Werk, das nun 112 Jahre alt ist und weiterwirkt bis in unsere Tage. Noch war es kein Verein, keine Organisation mit bestimmter Rechtsform, nur ein Wirken. Weder P. Cyprian noch das Kloster konnte sich mit der Verwaltung der einfließenden Gelder befassen. So wurde ein Verein geschaffen, durch den sich dieses Kinderrettungswerk entfalten sollte.
P. Cyprian und Direktor Müller gründeten aus Mitgliedern des Dritten Ordens und anderen der Sache gewogenen Personen ein Kuratorium, dem die Führung und Verantwortung übertragen wurde.
Am l. Januar 1890 erschien erstmals der "Seraphische Kinderfreund" als Monatsschrift des Seraphischen Liebeswerks. Der erste Paragraph der Vereinssatzung lautete: "Wer monatlich wenigstens zehn Pfennige für arme Kinder an Almosen spendet, erhält allmonatlich die illustrierte Monatsschrift "Seraphischer Kinderfreund".

So nahm das Werk auch festere Formen an. Es waren dazu auch bestimmte Genehmigungen erforderlich. Die erste kam vom zuständigen Diözesanbischof, Bischof Michael Korum von Trier. Auch vom Kapuzinerorden her musste Zustimmung und Genehmigung erfolgen. Der Provinzial der rheinisch-westfälischen Kapuziner kannte das Werk des Schweizer Kapuziners Theodosius Florentini und begrüßte das sozialkaritative Werk P. Cyprians. Von durchschlagender Bedeutung war freilich die Genehmigung des Ordensgenerals in Rom. General des Ordens war ein Kapuziner aus der Schweiz, der ebenfalls das soziale Werk seines Landsmannes und Mitbruders Theodosius Florentini kannte und bewunderte und auch für die Gesamtentwicklung des Ordens von immenser Bedeutung war.
Es war P. Bernhard Christen von Andermatt. Er unterstützte und förderte lebhaft die Gründung des Seraphischen Liebeswerks. Mit Schreiben aus Rom vom 20. September 1892 heißt es: "Der Heilige Vater, Papst Leo XIII., spendet (...) dem zur Rettung der Kinder jüngst unternommenen Werk verdiente Anerkennung, bittet Gott, den Unternehmungen desselben stets gnädig zu sein und gewährt den erbetenen Segen und erteilt diesen besonders dem Urheber des Werkes von ganzem Herzen". P. Cyprian erhielt am 13. November 1905 eine Audienz bei Pius X. Dabei lobte der Papst das Werk und seine Organisation und nannte das Ganze "ein wahrhaft wundervolles Werk der christlichen Liebe".
Eines Mannes muss noch besonders gedacht werden, der von ganz großer Bedeutung war. Es ist der Provinzial der Bayerischen Kapuziner P. Viktrizius Weiß, der 1924 im Rufe der Heiligkeit starb und dessen Seligsprechung wir erwarten. P. Cyprian nannte ihn seinen "teuersten und treuesten Freund. Ohne seine Klugheit, Geduld und erbarmende Liebe wäre das Werk nicht geworden, was es ist". Kirchlicherseits gab es nur Zustimmung. Fast alle Bischöfe in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz haben es wärmstens empfohlen. Auch die staatlichen Stellen haben seine Bedeutung erkannt und es gefördert und geschützt, bis hinein in die Regierungen und in das Bayerische Königshaus.
Das eigentliche Rückgrat und die wichtigste Grundlage des Werkes aber war das Volk. "Ohne Volk nichts Großes in der Welt". Die Liebe und das Mitleid des Volkes mit armen Kindern sorgten für die notwendigen finanziellen Mittel. Das Werk war im Volk verwurzelt und wurde von ihm getragen. P. Cyprian baute auf die "Volkspfennige": die einen geben von ihrem Überfluss, die anderen von ihren ersparten Pfennigen. Die Mitglieder, das Volk blieben die tragende Säule. Der Sitz des Seraphischen Liebeswerkes war zunächst am Gründungsort Koblenz-Ehrenbreitstein angesiedelt.
1893 erfolgte die Trennung in eine westdeutsche und eine süddeutsche Abteilung. Die süddeutsche Abteilung erhielt ihren Sitz in Altötting, wohin P. Cyprian 1893 zurückgerufen worden war. Altötting wurde so Ausgangspunkt weiterer Aktivitäten. P. Cyprian war noch keine zwei Monate in Altötting, da bat ihn eine Frau, ihr zur Unterbringung ihres Kindes in einer Anstalt behilflich zu sein. Er setzte sich in Verbindung mit dem Ortspfarrer Waiblinger von Altötting, um näheres über die Verhältnisse zu erfahren. Dabei äußerte der Pfarrer den Wunsch, P. Cyprian möchte doch auch in Altötting ein Kinderheim errichten. Entschlossen schritt der Kapuziner zur Tat.
Schon ein paar Tage später wurde aus Mitteln des Seraphischen Liebeswerkes in Ehrenbreitstein eine Villa in der Neuöttinger Straße gekauft und "St.-Franziskus-Haus" getauft. Das Franziskus-Haus sollte Vorbild für weitere Gründungen sein, so etwa für das Liebfrauenhaus in Herzogenaurach. Von Altötting aus baute er sein Werk aus; er errichtete das System der Mitglieder und Beförderer. Es wurde eine erfolgreiche Zeit. Fast in allen Großstädten hielt P. Cyprian Liebeswerkversammlungen, begeisterte durch die Macht seiner Worte und konnte neue Mitglieder werben.

Neue Pläne entstanden und neue Gründungen, so das St.-Fidelis-Haus in St. Ingbert/Saarland. Auch eine Reihe anderer Anstalten, die an sich nicht zum Seraphischen Liebeswerk gehörten, unterstützte er. Bewundernswert sind seine verschiedenartigen Unternehmungen. P. Cyprian war eine herausragende Persönlichkeit. Ein schöpferisches Genie von imponierender äußerer Gestalt und außerordentlichem geistigem Format. Ungewöhnlich schlagfertig war er, mit köstlichem Humor begabt, bei allem die Schwächen der Menschen stets verzeihend. Schwierigkeiten schienen für seine unglaubliche Willenskraft kaum zu bestehen. Dabei blieb er immer ein Mann des Volkes.
Hinzu kam, dass er mit Leib und Seele als Volksmissionar arbeitete. Schon in den ersten Priesterjahren kam er zum Einsatz. Während seines Aufenthaltes in Koblenz von November 1887 bis Januar 1893 war er an 77 Volksmissionen beteiligt, besonders auch in großen Städten. Ein Oberer schrieb: "Ich war vielfach mit ihm auf Missionen. Er war einer unserer besten Missionare. Er wusste die Herzen zu packen und wo es nötig war auch zu erschüttern. Mit ausnehmendem Eifer war er tätig auf der Kanzel und im Beichtstuhl. Bei einer Mission, bei der er mitwirkte, wusste man im voraus, dass sie gut ausfallen würde." Mit 75 Jahren beteiligte er sich noch an den großen Missionen in Linz und Wien.

Das Liebeswerk wäre nie so groß geworden und gewachsen ohne die schriftstellerische Tätigkeit und ohne die Zeitschriften, die P. Cyprian herausgab. Mehr als 100 größere und kleinere Broschüren, Büchlein und Schriften haben in ganz Deutschland Verbreitung gefunden. Seine Schrift "Die Innere Mission der Protestanten in Bayern und München" 1893 war geradezu epochemachend.
Durch den Seraphischer Kinderfreund" machte er das Seraphische Liebeswerk bekannt. Jahrelang war er selbst Schriftleiter. Es kam selten eine Monatsnummer heraus, in der nicht ein größerer oder kleinerer Beitrag von ihm enthalten war. Auch in anderen Zeitungen schrieb er regelmäßig. Sein Schriftstellername war "Bruder Marianus.“ Dies sagt auch etwas aus über seine persönliche Einstellung und Marienliebe. Über fast allen Briefen und Schriftstücken von ihm steht “Ave Maria". Der Gottesmutter empfahl er sein Werk.

1921 wurde ihm die Leitung des Seraphischen Liebeswerks abgenommen. Er sollte "ausruhen von den Mühen" und im Gebet seinen Lebensabend verbringen. Aber der alte Missionar in ihm ließ ihn nicht los; "Mein Feld ist die Welt". So zog es den schon 72jährigen noch einmal ins Ausland, nach Böhmen und in die Tschechoslowakei, ja bis nach Karpato-Russland. unermüdlich stieg er auf die Kanzeln und gründete neue Niederlassungen und Zweigabteilungen des Seraphischen Liebeswerks. Dabei wurde er wie von selbst Vertreter der Auslandsdeutschen.

Nach sechsjähriger aufreibender Tätigkeit riefen ihn hochgestellte Freunde in die Heimat zurück. Seine Gesundheit hielt nicht mehr stand. Sein Alterskloster wurde St. Anton in München. Aber er wollte noch mitarbeiten. "Kann ich auch nicht mehr auf der Kanzel predigen, Exerzitien halten kann ich noch". Drei oder vier Vorträge am Tag waren für den 77jährigen nichts Ungewöhnliches. In der ersten Februarwoche 1931 wollte er sich selbst zu Exerzitien zurückziehen nach Altötting. Doch es war ihm nicht mehr möglich, dorthin zu fahren. So machte er für sich selbst Exerzitien. Am dritten Tag ereilte ihn der Tod.
Unter großer Anteilnahme hoher und höchster Persönlichkeiten aus Kirche und Staat wurde er begraben. Ein arbeitsreiches, erfülltes, gesegnetes Leben war zu Ende gegangen, ein Leben, das nachwirken sollte bis in unsere Tage. Ein schlichtes Grab erinnert an einen großen Mann seiner Zeit, von dem Landesrat Brandts von Düsseldorf einst sagte, er würde mit seinen Zehn-Pfennig-Bildchen "mehr fertig bringen als die führenden Zentrumspolitiker mit all ihren Reden". Und vom oberbayerischen Regierungspräsident Halder stammt der Satz: "Ihre Tätigkeit ist wertvoller als die unsrige mit all ihrer Polizei- und Waffenmacht. Sie packen das Übel bei der Wurzel an und bewahren das Vaterland vor Verbrechern".

 


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